Votronic 1212-30 Ladebooster lädt nicht mehr

Wohnmobilbesitzer, die schon etwas länger dabei sind, kennen es noch. Das gute alte Trennrelais. Eine Steuerleitung von der Lichtmaschine (D+), die einst zum Zweck der Ladekontrollleuchte erfunden wurde, reichte aus, um die zweite (Bord-) Batterie von der ersten (Starter-) Batterie zu trennen. So war gewährleistet, dass die Starterbatterie nicht entladen wurde, wenn das Fahrzeug stand und die Bordbatterie geladen wurde, wenn man fuhr. Simpelste Technik für eine einfache Aufgabe. Doch mit simpler Technik ist es heute vielfach nicht mehr getan. Der Wohnmobilist von heute braucht einen Ladebooster wie den Votronic 1212-30.

Wenn der Votronic 1212-30 nicht mehr lädt, ist die Ursache häufig eine durchgebrannte 40A – Sicherung. Leider ist der Austausch dieser Sicherung durch den Anwender vom Hersteller nicht vorgesehen. Sie befindet sich im Gehäuse, welches sich nur durch Entfernung bzw. Beschädigung eines Garantiesiegel – Aufklebers öffnen lässt. Im Zweifelsfall riskiert man also seine Garantie. In jedem Fall riskiert man seine Freude am Campingurlaub, wenn man Hunderte Kilometer von zu Hause feststellt, das der Votronic 1212-30 Ladebooster nicht mehr lädt.

Votronic 1212-30 Ladebooster
Fallstrick Garantiesiegel

Wozu brauche ich überhaupt einen Ladebooster?

Ursache sind die immer restriktiveren Euronormen, um den CO² – Ausstoß zu verringern. Vereinfacht gesagt, verbraucht eine Lichtmaschine unter Last mehr Treibstoff. Daher war man bestrebt, die Lichtmaschine nur so lange zu belasten, solange die Starterbatterie geladen werden muss. Nach einer gewissen Fahrzeit ist die Batterie voll und der Fahrzeugcomputer sagt der Lichtmaschine, sie soll einfach nur noch mitlaufen und nicht mehr laden. Das funktioniert, wenn keine weiteren Verbraucher wie Licht oder Klimaanlage eingeschaltet sind. Dadurch spart man die paar Gramm CO² ein, die vielleicht noch zum Erreichen der Euro 6 – Norm gefehlt haben und kann weiter tonnenschwere SUVs als umweltfreundlich verkaufen. Nur hat man die Rechnung ohne die Campingfreunde gemacht. Denn die haben nun ein Problem. Die Bordbatterie wird nicht mehr effizient geladen.

Abhilfe sollen hier die Ladebooster schaffen. Vollgepackt mit vollmundigen Versprechungen und Ladekennlinien sollen intelligente Lichtmaschinen der Bordbatterie für dumm verkauft werden. Erreicht wird das dadurch, das der Ladebooster sich wie ein stromfressender Verbraucher verhält (was er ja auch ist) und die Lichtmaschine weiterhin fleißig Strom produziert. Leider schwankt die Spannung der intelligenten Lichtmaschinen fahrzeugabhängig in einem Bereich von 12,5 bis 15,5 Volt im Gegensatz zu den „dummen“ Lichtmaschinen, die konstant etwa 14,4 Volt produzierten. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Batterietypen wie klassische Blei-Säure, AGM oder LiFePO4.

Votronic 1212-30 Ladebooster Sicherung
Kleine Ursache, große Wirkung. Kaputte Sicherung…

Votronic 1212-30 für Euro 6 – Fahrzeuge ungeeignet

Ein genaueres Studium der Montage- und Bedienungsanleitung des Votronic 1212-30 Ladeboosters schließt die Verwendung in modernen Euro 6 – Fahrzeugen faktisch aus. Zum einen verlangt die spannungsgesteuerte Betriebsart „eine herkömmliche, nicht intelligente Lichtmaschine mit genügend hoher, gleichmäßiger Ladespannung (nicht Euro 6).“ Zum anderen setzt die Ansteuerung über D+ eine solche Anschlussmöglichkeit voraus. Intelligente Lichtmaschinen haben keinen D+ – Anschluss mehr, wozu auch? Sie werden vom Fahrzeugcomputer überwacht. D+ ist Museumstechnologie. Aber: „Notfalls kann der Steuereingang „D+“ auch mit Fahrzeug Kl.15 (Zündung EIN) verbunden werden, jedoch kann die STARTER-Batterie dann irrtümlich bei stehendem Motor stark entladen werden!“ Was meint notfalls? Geht es oder geht es nicht?

Der grundsätzliche Unterschied zwischen den beiden Betriebsarten sind die Schaltschwellen. Diese orientieren sich an der Spannung, die an der STARTERBATTERIE anliegt. Bei der D+ – Variante wird der Ladebooster schon bei einer Spannung von mehr als 11,7 Volt (bei eingeschalteter Zündung und einem gefaktem D+) aktiv. Wenn also die Bordbatterie leer ist und das Fahrzeug steht mit Zündung an, wird die Starterbatterie ENTLADEN. Bei der spannungsgesteuerten Variante liegt die Einschaltspannung bei 13,3 Volt. Solange die Spannung über 13 Volt bleibt, wird weiter geladen. Fällt die Spannung für 30 Sekunden unter 12,9 Volt, wird der Ladebooster inaktiv.

Die zentralen Steuercomputer moderner Fahrzeuge sind genauso intelligent wie die Lichtmaschinen. Alle Verbraucher von Rang und Namen wie Licht, Heizungslüfter, Klimaanlage werden nicht einfach über Schalter aus- und eingeschaltet, sondern über einen CANBUS überwacht und gesteuert. Der Computer weiß genau, ob das Licht an ist oder nicht. Und wenn es an ist, erzählt er es der Lichtmaschine weiter. Und die weiß, ich muss die Starterbatterie nicht nur laden, bis sie voll ist, sondern auch dafür sorgen, dass sie nicht entladen wird, wenn das Auto fährt. Wenn also das Licht brennt, sorge ich weiter für genügend Strom für alle.

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Unabhängig von der Betriebsart sollte ein Teil für knapp unter 200 Euro zuverlässig funktionieren. Mit eingeschaltetem Fahrlicht sinkt bei meinem Fahrzeug (Dacia Dokker, Bj 2020) die Spannung nie unter 13 Volt. Für die Voraussetzungen ist also gesorgt. Nur fliegt eine 40 Ampere – Sicherung nicht ohne Grund ins Nirwana. Der hohe Strom muss also irgendwo herkommen. Da Votronic mit einer IU1oU2 – Ladekennlinie wirbt, dürften zu hohe Einschaltströme ausgeschlossen sein. Denn diese Kennlinie beschreibt eine schonende Anfangsladung, dann erst die Hauptladung mit maximalem Strom. In meinem Fall hatte die Bordbatterie noch 11,7 Volt, also alles andere als tiefentladen. Trotzdem war die Sicherung raus. Für Verkabelungsfehler im Ladestromkreis oder in den Verbraucherstromkreisen sorgen Sicherungen außerhalb des Ladeboosters. Die auch alle noch intakt waren.

Das Gerät wird mit einer Ladeleistung von 30 Ampere bei 12 Volt verkauft. Schaut man in die technischen Daten auf der letzten Seite der Bedienungsanleitung, findet man:Strom-Aufnahme (bei niedrigster Eingangsspannung) je nach Belastung 0,05 A – 39 A. 39 Ampere bei niedrigster Eingangsspannung? Und dann eine 40 Ampere – Sicherung? Muss wohl eine Präzisionssicherung mit null Prozent Toleranz sein. Irgendwie erschließt sich mir gerade nicht die um 30 Prozent höhere angegebene Stromaufnahme mit dem genannten 30 Ampere – Maximalstrom.

Leider gaukelt die LED-Anzeige dem unbedarften Anwender vor, dass der Ladebooster ordnungsgemäß funktioniert. Auch bei defekter Sicherung. Denn die orange LED ist mit „Charge“ beschriftet, was in diesem Zusammenhang „Laden“ bedeutet. Nur leuchtet die LED bei eingeschalteter Zündung (D+ Modus) oder bei Anliegen der Triggerspannung im spannungsgesteuerten Modus. Sie leuchtet auch dann, wenn am Ausgang des Ladeboosters keine Ladespannung gemessen werden kann, sondern nur die Batteriespannung der Bordbatterie. Das ist völlig irreführend.

Das Internet lügt nicht. Meistens jedenfalls nicht

Und die Aussagen über den Votronic Ladebooster VCC 1212-30 sprechen Bände. Zugegeben, niemand schreibt einen Forumsbeitrag einer Lobhudelei wegen. Meist wird sich hier angestautem Ärger Luft gemacht. Fakt ist, die durchgeknallten Sicherungen sind kein bedauerlicher Einzelfall. Aber irgendwie scheint seitens des Herstellers kein Handlungsbedarf zu bestehen. Das sich die Käuferschicht eines solchen Gerätes fast ausschließlich aus Campern mit Wohnmobilen oder Minicampern rekrutiert, dürfte sich auch schon einmal bis in die Firmenzentrale von Votronic herumgesprochen haben. Wenn diese Camper nun mit ihren Fahrzeugen irgendwo am Arsch der Welt gestrandet sind und der Urlaub versaut ist, weil die Bordbatterie nicht mehr lädt, ist das nicht spaßig.

Immerhin finden sich Tipps in der Bedienungsanleitung, wenn das Gerät nicht lädt. Dann ist die Spannung direkt an den Klemmen zu prüfen. Also schön das Voltmeter im Reisegepäck mitführen. Von Sicherungen IM Gerät ist nirgends die Rede und dann ist da ja auch noch das Garantiesiegel davor. Man steht also vor der Wahl: Garantie verlieren oder Urlaub abbrechen. Echt jetzt, Votronic? Leider lassen die Erfahrungen, von denen die Käufer bei amazon berichten, nicht auf eine kulante Haltung des Herstellers schließen. Da werden schon einmal 25 Euro Servicegebühren für das Austauschen der Sicherung verlangt, zusätzlich zu den Portokosten und wochenlanger Bearbeitungszeit.

Fazit

Wer ein solches Gerät bereits besitzt, sollte sich mit einer Handvoll Ersatzsicherungen wappnen. Hinweis: Das Entfernen des Garantiesiegels geschieht auf eigene Verantwortung! Neben der ungeeigneten Betriebsanzeige, die „Laden“ suggeriert, auch wenn nicht geladen wird, ist die vor Verbrauchern verborgene und unzugängliche Sicherung ein absolutes No-Go. Ich würde dieses Gerät kein zweites Mal kaufen. Aber ich besitze eins und werde es weiter benutzen, denn knapp zweihundert Euro sind für mich kein Pappenstiel. Sollte die 40 Ampere – Sicherung ein weiteres Mal durchbrennen, überlege ich mir, sie mit einer 50 Ampere – Sicherung zu ersetzen, auch wenn das gegen alles verstößt, was ich während meiner Ausbildung zum Kommunikationselektroniker oder während des Grundstudiums Elektrotechnik gelernt habe. Nur habe ich weder Lust, das Gerät alle zwei, drei Wochen aufzuschrauben noch mich mit dem Hersteller über eine offensichtliche Fehlkonstruktion bzw. Falschprogrammierung der Kennlinien herumzuärgern. Geschweige denn ein über abgerissenes Garantiesiegel zu diskutieren.

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