USA Südwest Rundreise | Los Padres National Forest

Wenn man in knapp vier Wochen eine USA Südwest Rundreise durch vier US-Bundesstaaten bewerkstelligen und dabei ca. 7.500 km zurücklegen will, muss man ab und zu Strecke machen. Heute ist so ein Tag. Wir wollen weiter Richtung Süden auf der Highway 101, dann kurz vor Los Angeles nach Osten über die San Bernadino Mountains in Richtung unseres ersten National Parks – Joshua Tree – fahren. Die Strecke bis zum Joshua Tree NP wäre an einem Tag zu schaffen, aber wir haben Urlaub und wollen nach Möglichkeit nicht mehr als drei- vierhundert Kilometer am Stück fahren. Also werden wir uns auf halber Strecke im Los Padres National Forest einen Platz zum Übernachten suchen. Gestern abend sind wir im San Lorenzo Park Campground angekommen.

San Lorenzo Park Campground

Es ist immer noch alles neu und ungewohnt. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sich eine Routine eingestellt hat. Der Frust von gestern, als wir keinen Platz finden konnten, hat seine Gründe gehabt. Noch in Deutschland hatten wir uns einen mobilen WiFi-Hotspot von ZTE samt SIM-Karte für die USA angeschafft. Alle Versuche, das Ding in Betrieb zu nehmen, scheiterten mit dem Hinweis:

Unfortunately, the device you’re trying to unlock is associated with fraud so we can’t unlock it.
Thanks for choosing us,
AT&T

Toll, wenn man mitten in einem fremden Land nach einem Standplatz sucht und alle apps nicht funktionieren. Dann erscheint plötzlich alles fremd und feindlich. Inmitten all dieser Pistazien- und Avocadofarmen schien die gewohnte Zivilisation weit weg und wir waren verunsichert, müde und genervt. Aber wenigstens hatte das Navi noch Alternativen parat.

Trotzdem waren wir noch nicht richtig angekommen. Beim Tanken gab es jedes mal die Unsicherheit, ob das mit der Kreditkarte funktioniert oder nicht, denn man muss ja zur Bestätigung seinen ZIP-Code (Postleitzahl) eingeben. Aber was macht man, wenn die deutsche Postleitzahl in den USA nicht funktioniert? Wir hatten alle möglichen Geschichten im Internet recherchiert und auch, das man im Zweifelsfalle im Voraus bezahlen kann. Aber wie sich heraus stellte, waren diese Zweifel völlig unbegründet. Ich habe wahlweise unsere deutsche Postleitzahl oder den ZIP-Code des Hotels eingegeben oder eben ein-, zweimal vorher gelöhnt. Es war halt immer beim Kreditkarten einschieben mit leicht erhöhtem Puls zu rechnen. Warum eigentlich?

Eine andere Sache, die anfänglich jedes Mal Kopfschmerzen bereitete, war die Entsorgung des Abwassers. In den USA Greywater und Blackwater genannt. Den Unterschied kann man sich denken. Wir als absolute Wohnmobil-Greenhorns mussten auch erst lernen, wie das am Besten funktioniert. Die sogenannten Dump-Stations sind teilweise kostenlos, teilweise kosten sie um die fünf Dollar. Manche Tankstellen haben eine, ein Truck Stop ist fast immer eine sichere Wahl und auch für die Suche nach einer Dump-Station gibt es apps. Gut, wenn das Handy funktioniert. Aber auch hier entwickelte sich eine Routine und am Schluss funktionierte es auch ohne Geplantsche 🙂

Im Allgemeinen sind wir im Verkehr gut zurecht gekommen. Die Amerikaner fahren größtenteils wesentlich entspannter als unsere Landsleute in Deutschland und auch vielfach zuvorkommender. Bis auf eine einzige brenzlige Situation – und ich weiss nicht genau, wer Vorfahrt hatte – sind wir 8000 km ohne besondere Vorkommnisse gefahren. Der C-19 von Cruise America war absolut zuverlässig, sprang jedes Mal ohne Murren an und es gab auch hier nichts zu meckern. Wir hatten uns für dieses kurze Modell entschieden, vermutlich aus Angst und Unsicherheit. Das nächste Mal – so es denn eins gibt – würden wir den Ford C25 nehmen, einfach aus dem Grund, nicht jedes Mal Gepäck umher räumen zu müssen und außerdem sind die Wassertanks größer.

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Nun waren wir also wieder unterwegs. Auf der Highway 101 ging es zunächst von King City bis nach Nipomo, und dann entfernten wir uns von der Küste, dem Highway 166 East folgend. Die Natur zelebrierte gerade einen Blütenrausch. Gelbe Wildblumen bedeckten die sanften Hügel, ein unvergesslicher Anblick.

Kalifornische Wildblumen

Wir durchfuhren kleine Ortschaften, von denen wir vorher noch nie gehört hatten. Kurz hinter New Cuyama verließen wir den 166 und nahmen den Highway 33 nach Süden bis nach Ojai. Aus den sanften Hügeln wurden steilere Anstiege und ein Blick zurück offenbarte uns diese Aussicht:

Los Padres National Forest

Doch mit dem Landschaftsbild änderte sich auch unsere Stimmung etwas, denn wir durchquerten die vom Thomasfeuer (Dezember 2017 bis März 2018) immer noch größtenteils verkohlte Landschaft. Jetzt war es Mai 2018, also gerade einmal ein paar Wochen später. Uns war vorher nicht bewusst, das wir dieses Gebiet durchfahren würden. Bei den Reisevorbereitungen hatten wir das schlichtweg übersehen. Vielleicht sind die Fernsehbilder mit rot glühenden Feuerwänden viel spektakulärer als das, was wir jetzt sahen, aber die Zeugnisse vernichteter Existenzen ließ uns dann doch nachdenklicher werden.

Verkohlte Sträucher am Strassenrand

Wir fuhren langsamer, hielten aber nicht, um das Elend anderer aus Sensationsgeilheit zu fotografieren. Wir sind Urlauber und keine Berichterstatter und Bilder von ausgebrannten Kinderwägen und Bettgestellen oder eine verkohlte Engelsfigur in einem völlig abgebrannten Vorgarten sind eben keine Urlaubsbilder. Trotzdem bleiben sie im Kopf haften. Zu unserer gekippten Stimmung kam noch die Sorge, ob wir es überhaupt noch bis Ojai schaffen würden, denn die Tanknadel lehrte uns eine Lektion für den Rest unserer USA Südwest Rundreise: Tanke, wenn du die Gelegenheit dazu hast! Denn die nächste Möglichkeit ist viel weiter weg, als du denkst 🤔

Nach einer Übernachtung in Ojai ging es am nächsten Tag wieder weiter. Der Joshua Tree Nationalpark stand auf unserer Liste.

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