Minicamper Ausbau – Stromversorgung

Zuletzt aktualisiert am 07.11.2021 von Kieler Jung

Dieser Artikel behandelt die Stromversorgung im Minicamper, also Hochdachkombis bzw. Kleinbusse. Wohnmobilisten und Vanlifer stellen meist höhere Anforderungen an die Camper – Elektrik, weil sie über einen längeren Zeitraum in ihren Fahrzeugen wohnen.

Hier wird nur die Elektrik für Minicamper, die ausschließlich für Urlaubszwecke ausgebaut werden, beleuchtet. Stromversorgung im Minicamper muss weder kompliziert noch überteuert sein. Wir stellen drei Varianten vor.

Abhängig von den Anforderungen und dem Strombedarf gibt es für jeden Geldbeutel sicher eine passende Lösung. Wer es sich zutraut und über ausreichend handwerkliche Fähigkeiten verfügt, kann hier noch einmal richtig Geld sparen.

Wir wollen an dieser Stelle die Entscheidungsfindung nicht mit Formeln oder Strombedarfsrechnungen verkomplizieren. Der gesunde Menschenverstand sollte ausreichen, um für sich die passende Lösung zu finden.


Variante eins: Der Zigarettenanzünder / USB – Ladeport

Warum nicht die bereits vorhandene Stromquelle nützen? Wer nur die Akkus von Handy, Fotoapparat und Co. aufladen will, braucht im Prinzip keine extra Stromquelle im Minicamper.

Moderne Fahrzeuge verfügen über wenigstens einen 12 – Volt – Zigarettenanzünder und einen USB-Anschluss zum Aufladen eines Handys.

Benötigt man mehr Anschlussmöglichkeiten, gibt es hierfür Adapter.

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Problematisch wird es aber, wenn man Geräte mit einem höheren Stromverbrauch anschließen will oder man länger an einem Platz steht und die Autobatterie nicht aufgeladen wird.

Will man also eine Kühlbox oder einen Kühlschrank betreiben, läuft man Gefahr, die Autobatterie so weit zu entladen, dass das Auto nicht mehr anspringt.

Glücklicherweise haben bessere Kompressorkühlschränke eine Abschaltvorrichtung, die dies verhindert.

Wer diese Gefahr gänzlich ausschließen will, kommt um eine separate, von der Autobatterie unabhängige Stromversorgung nicht herum.

Minicamper Ausbau - Stromversorgung
Minicamper Ausbau – Stromversorgung

Variante zwei: Die Powerstation

Wem die Arbeiten mit elektrischem Strom Unbehagen bereiten; für den ist die Powerstation eine Alternative, wenn auch nicht gerade günstig.

Zwischen 100 und 5000 Euro kann man für so eine eierlegende Wollmilchsau hinblättern, je nach Leistung und Anschlussmöglichkeiten.

Die Leistung ist meist in Wattstunden angegeben und wird von den Herstellern meist etwas beschönigt. Eine Angabe von 500 Wh bedeutet theoretisch, dass man eine Stunde lang 5 Glühbirnen a 100 Watt aufleuchten lassen kann.

Der große Vorteil dieser Geräte liegt in der Vielseitigkeit. Sie sind tragbar und über verschiedene Quellen aufladbar, z.B. über das Kfz – Bordnetz, über eine 220 Volt – Steckdose oder über ein Solarpanel.

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Die Nachteile liegen auf der Hand. Da ist zum einen der relativ hohe Anschaffungspreis, zum anderen dauert es abhängig von der Ladequelle mehrere Stunden, bis das Teil wieder vollständig geladen ist.

Wenn man einen mehrwöchigen Urlaub unter sommerlichen Bedingungen bei wechselnden Standorten verbringen will und dabei dauerhaft einen Kompressorkühlschrank betreibt, kommt man bald an die Leistungsgrenzen eines solchen Gerätes, abhängig von der Kapazität.

Die Lademöglichkeit über den Zigarettenanzünder ist die weitaus langsamste und nicht jeder hat Solarpaneels auf dem Dach.

Das andere Extrem ist der Winterurlaub. Die Geräte basieren wegen dem Gewicht meist auf Lithium-Akkus und die kann man bekanntlich unter 0 Grad° Celsius nicht mehr aufladen.

Und ein Nachteil ist auch, dass Ladegerät, Spannungswandler und Laderegler zusammen in einem Gehäuse verbaut sind und bei Ausfall eines Teils das ganze Gerät zur Reparatur muss.

Variante drei: Die Bordbatterie

Das ist die wohl verbreitetste und am meisten bewährte Methode. Je nach Wahl der Komponenten reicht die Spannweite von günstig bis überteuert.

Die klassischen Wohnmobile waren oder sind mit einem einfachen Bleisäure-Akku und mit einem einfachen Trennrelais ausgestattet. Dieses verhindert das versehentliche Entladen der Starterbatterie bei stehendem Motor.

Mit Einführung sogenannter „intelligenten Lichtmaschinen“ wurde das Aufladen der Bordbatterie problematisch, denn die Spannung der Lichtmaschine ist nicht mehr konstant bei etwa 14,6 Volt, sondern fällt auf das Niveau der Starterbatterie zurück, wenn diese vollständig geladen ist.

So wunderten sich nicht wenige Wohnmobilbesitzer über nicht mehr ausreichend geladene Bordbatterien, auch wenn sie Stunden lang unterwegs waren.

Bei neuen Fahrzeugen fehlt die für einfache Trennrelais erforderliche Steuerleitung D+ ganz, denn dieses einfache Signal diente bis dato zur Unterscheidung, ob der Motor läuft und die Lichtmaschine lädt oder ob das Auto steht.

An die Stelle der einfachen Trennrelais kann man heute Ladebooster einsetzen. Die können zwar auch nicht verhindern, dass die Lichtmaschine abregelt, denn das geschieht durch den Zentralcomputer des Fahrzeugs. Dieser weiß mittels eines Controllersystems (CAN-Bus) genau, ob das Licht oder die Klimaanlage eingeschaltet wird.

Für Minicamper ist es daher schon nahezu eine Pflicht, die Spannungszustände der Lichtmaschine im Auge zu behalten. Am einfachsten geht dies mit einem Spannungsmessgerät (Voltmeter), welches man einfach in den Zigarettenanzünder steckt.

Weitaus eleganter ist ein OBD II – Display, welches auch noch andere Fahrzeugdaten sichtbar macht, beispielsweise die Motortemperatur.

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Bei der Wahl der Batterietechnologie hat man zwei Möglichkeiten. Entweder die preiswerte und bewährte Bleisäure – Batterie (AGM) oder eine auf Lithium basierte Technik. Letztere wird oft als die modernere, leistungsfähigere und bessere Variante angepriesen, doch wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.

Nur wird über die Schattenseiten nicht gerne berichtet. Vom sehr viel teureren Anschaffungspreis und der problematischen Verwendung bei Minustemperaturen mal ganz abgesehen, braucht eine Lithium-Batterie ein Batteriemanagementsystem (BMS), um die einzelnen Zellen gleichmäßig und innerhalb bestimmter Parameter aufzuladen.

Für eine LiFePO4 – Batterie spricht das geringe Gewicht und die Spannungsfestigkeit bei fortgeschrittener Entladung. Während bei einer Bleibatterie die Spannung deutlich abfällt und 12 – Volt – Verbraucher eventuell nicht mehr betrieben werden können, bleibt die Spannung bei Lithium-Akkus konstant. Allerdings geht eine häufige Tiefenentladung deutlich auf Kosten der Gesamtlebensdauer.

Wenn man will, passt alles in eine Batteriebox

Ladebooster oder Trennrelais?

Ein Ladebooster hat die Aufgabe, am Ausgang wieder eine konstante Ladespannung zu liefern, also aus einer variablen Eingangsspannung von beispielsweise 12-15 Volt am Ausgang die erforderliche, batterieabhängige Spannung bereitzustellen.

Darüber hinaus werden noch die sogenannten Ladekennlinien eingehalten, so jedenfalls das Versprechen der Hersteller. Mangels einer D+ – Steuerleitung kann Zündungsplus verwendet werden.

Leider funktioniert das in der Praxis nicht immer so reibungslos.

Eine wesentlich günstigere Variante ist der Einsatz eines spannungsgesteuerten, elektronischen Relais. Hier wird auf D+ verzichtet. Stattdessen erkennt das Relais an der Eingangsspannung. ob der Motor läuft oder nicht.

Bei Unterschreitung eines Schwellenwertes wird die Bordbatterie von der Starterbatterie abgetrennt. Was aber, wenn die „intelligente Lichtmaschine“ die Spannung abregelt? Ganz einfach das Abblendlicht einschalten. Um das zu erkennen, braucht es aber eine wie oben erwähnte Spannungsanzeige und gesunden Menschenverstand.

Fazit

Man kann für 200 bis 250 Euro eine effiziente, Platz sparende Stromversorgung selbst bauen. Wer nicht auf 230 Volt verzichten kann, muss noch die Kosten für einen Inverter hinzurechnen.

Das Gleiche gilt für ein Solarpaneel. Hier gibt es nützliche mobile „Solartaschen“, die man bei Bedarf aufstellen kann, um die Bordbatterie zu laden bzw. zu entlasten.

Nach oben hin sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

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