Keine LiFePO4 Batterie in unserem Minicamper

Es scheint ein Hype durch die Minicamper- und Vanliferwelt zu gehen. Alle schwärmen von den tollen LiFePO4 Batterien und wer sie noch nicht eingebaut hat, gehört zu den Bemitleidenswerten. Denn die Dinger scheinen nur aus Vorteilen zu bestehen – die batteriegewordene, eierlegende Wollmilchsau sozusagen. Nur beim Preis darf man nicht so genau hinsehen. Aber was soll’s. Das Beste ist gerade gut genug für den selbst ausgebauten Minicamper oder Van. Oder nicht? Ob in Blogs oder Youtube-Filmen, alle sind begeistert von den kleinen Kraftwerken und googelt man nach Nachteilen, wird man kaum fündig. Na ja, bei Google muss man wissen, dass die ersten Treffer gesponsort sind und die folgenden auf den nächsten zwei, drei Seiten auch nicht zufällig da oben stehen. Da hat man schon kräftig optimiert. Stichpunkt SEO (Search Engine Optimisation). Für uns ist die Verwendung von LiFePO4 im Minicamper als Bordbatterie allerdings ethisch fragwürdig.

Warum keine LiFePO4 Batterie in unseren Minicamper kommt
Batteriebox

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Die Elektroautos, die wir jetzt alle kaufen sollen, fahren ja auch mit den Dingern. Hin und wieder fackelt mal eins ab, aber das verbucht man unter Kollateralschäden. Und hat man nicht erst 2019 den Nobelpreis für Chemie an drei Batterieforscher verliehen? Obwohl die Idee, Lithium als Batteriesubstanz zu verwenden, schon aus den Siebzigern des letzten Jahrhunderts stammt. Lithium ist allerdings sehr reaktionsfreudig, brennt gern und lässt sich nicht mit Wasser löschen. Bis heute nicht. Fragt mal den einen oder anderen Tesla-Fahrer oder besser gleich die Feuerwehr. Jedenfalls glaubt man nun, indem man statt des ursprünglichen Titaniumdisulphid Kobaltoxid bzw. Eisenphosphat als Gegenpol verwendet, die Gefahr minimiert und die Batterien massentauglich gemacht zu haben. In der Tat sind Lithium-Ionenakkus aus keinem Handy oder E-Bike mehr wegzudenken. Was zu einem Problem führt. Denn Lithium ist bis zum jetztigen Zeitpunkt nicht wirtschaftlich recyclebar. Man extrahiert zwar die anderen Mitspieler wie Nickel und Kobalt, aber der Rest bleibt erst einmal Müll. Kobalt übrigens wird von Kindern im Kongo abgebaut. Und Lithium?

Umweltverbrechen in der Atacama-Wüste

Eins der größten Vorkommen gibt es in der Atacama-Wüste in Chile. Dort leben Menschen, aber nicht mehr lange. Denn man nimmt ihnen das Wasser weg. Um Lithium zu gewinnen, wird Wasser aus den unteren Schichten nach oben gepumpt, wo es verdunstet. Übrig bleiben Lithium und verzweifelte Bauern. Davon hört man nicht allzuviel in den Nachrichten, den es passt nicht in das Geschwätz von den Klimazielen und den ganzen Green Deals. Und die Girlies, die bei Fridays for Future mit ihren Handys herumhüpfen, wissen sicher auch nicht, wo das Lithium dafür herkommt. Im Gegensatz dazu stammt das Blei, welches heute zur Herstellung von Auto- oder Solarbatterien verwendet wird, zum größten Teil aus Recycling. Blei ist auch hochgiftig, keine Frage, aber bei Weitem nicht so risikobehaftet wie Lithium. Von der Ökobilanz ganz zu schweigen. Etwas zynisch lautet die Erklärung von VW:

Zur Lithium-Gewinnung aus Salaren gibt es immer wieder kritische Berichte: In einigen Gegenden klagen Einheimische über zunehmende Trockenheit, die beispielsweise die Viehzucht gefährde oder zum Vertrocken von Bäumen führe. Aus Sicht von Experten ist bislang unklar, inwieweit die Trockenheit tatsächlich mit dem Lithiumabbau zusammenhängt. Unstrittig ist: Für die Lithium-Gewinnung selbst wird kein Trinkwasser benötigt. Umstritten ist dagegen, in welchem Ausmaß die Entnahme von Salzwasser zum Nachströmen von Süßwasser führt und damit den Grundwasserspiegel am Rand der Salare beeinflusst. Um das zu beurteilen, sind die unterirdischen Wasserflüsse etwa in der Atacama-Wüste in Chile noch nicht ausreichend erforscht. Als mögliche Einflussfaktoren gelten neben der Lithiumgewinnung beispielsweise der Kupferabbau, der Tourismus, die Landwirtschaft und der Klimawandel„.
Quelle: https://www.volkswagenag.com/de/news/stories/2020/03/lithium-mining-what-you-should-know-about-the-contentious-issue.html

Das hört sich in etwa so an wie die Erklärung der Atomlobby, das die gehäufte Anzahl der Leukämie-Fälle in keinem Zusammenhang mit den Atomkraftwerken in der Nachbarschaft stehen, weil ja noch nichts erwiesen ist. Erzählt das mal den Betroffenen.

LiFePo4 Batterie alternativlos?

Warum schwören denn die Camper nun auf die LiFePO4-Batterien? Nun, sie sind um einiges leichter. Das ist ein Vorteil und nicht von der Hand zu weisen. Dann hört man immer wieder, das im Vergleich zum guten alten Bleisammler die volle Kapazität nutzbar sei. Wo hundert Amperestunden drauf stehen, kann man auch hundert Amperestunden nutzen. Dann ist die Batterie leer. Aber der Teufel steckt im Detail. Denn wenn man die Entladetiefe der Lithiumbatterie wiederholt voll ausnutzt, reduziert man die Zyklenfestigkeit um die Hälfte. Die Batterie gibt also wesentlich früher den Geist auf. Und ohne komplizierte Überwachungselektronik ist eine LiFePO4 überhaupt nicht zu betreiben, weil sie Abweichungen von Ladeströmen- und spannungen nicht so toleriert wie ihre AGM-Kollegin, die in gewissen Grenzen wieder belebbar ist. Eine tote LiFePO4 ist Sondermüll. Im Kleingedruckten findet man auch noch den Hinweis, das der Ladestrom bei Temperaturen unter null Grad durch das Batteriemanagment reduziert wird. Dass diese Batterien einen Bluetooth – Dongle und eine Handy-App quasi als Serienausstattung mit dazu bekommen, ist eher eine Notwendigkeit als ein besonderer Service. Denn eine LiFePO4 braucht wohl ständige Überwachung…

In unseren Camper kommt eine Technik, die sich in Jahrzehnten bewährt hat und nur ein Sechstel kostet. Und selbst wenn Geld überhaupt keine Rolle spielen würde – aus den oben angeführten Gründen kommt mir keine Lithium-Batterie ins Auto, weil es eine vernünftige Alternative gibt. Beim Handy leider nicht mehr. Es ist eine Frage der Ethik und der Nachhaltigkeit. Für das eingesparte Geld kaufen wir uns lieber sinnvolles Zubehör.

2 Kommentare zu „Keine LiFePO4 Batterie in unserem Minicamper“

  1. Wenn Du die „Girlies von FFF“ erwähnst, solltest Du Dich fairerweise vielleicht auch mal darüber informieren, wo denn die seltenen Metalle herkommen, die für Deinen Verbrenner verwendet werden. Platin, Cer und Palladium für Deinen Katalysator kommen aus dem Kongo, Simbabwe und Südafrika, wo die Arbeitsbedingungen katastrophal sind und Arbeiteraufstände schon mal mit dem Erschießen Dutzender Menschen endeten. Die Bleibatterien aus alten Autos landen gerne mal in Nigeria, wo sie von Jugendlichen ohne ausreichende Schutzkleidung auseinandergesägt werden, ganze Dörfer werden dort mit Blei vergiftet. Ich finde es ziemlich borniert, sich pauschal und vollkommen unreflektiert über die Leute von FFF lustig zu machen, während man für sich selbst vollkommen unreflektiert in Kauf nimmt, mit einem Auto herumfahren zu können, das in Sachen Umweltschutz und Klimabilanz keinen Schritt weiter ist. Diese jungen Leute müssen schließlich mit der Scheiße klarkommen, die wir ihnen hinterlassen.

    1. Die jungen Leute kommen mit der Scheiße, die wir ihnen hinterlassen, ganz gut klar. Denn sie benutzen sie hierzulande tagtäglich und sind damit aufgewachsen. Sie schwelgen sozusagen im Luxus. Frag mal Langstrecken-Luisa. Und ich finde es ziemlich borniert von den FFF-Girlies zu behaupten, ihre eigenen Eltern hätten den Planeten herunter gewirtschaftet. Denn als ich ein Jugendlicher war, gab es hier in Deutschland (Ost wie West) keinen einzigen Fluß, in dem man baden konnte. Die Häuser wurden mit Asbest zugeballert, Zäune mit krebsauslösenden Substanzen gestrichen etc. Wir haben das repariert. Und WIR waren es, die den Wohlstand für EUCH geschaffen haben. Den Katalysator in meinem Auto habe ich, weil er gesetzlich vorgeschrieben ist und dabei so unnütz wie ein Kropf im Hals. Bedankt euch bei den Grünen dafür. Und vergesst auch nicht Danke zu sagen, wenn wir in zehn Jahren abends bei Kerzenschein unseren Tofu löffeln, weil es keinen Strom mehr gibt. Dank FFF. Aber es ist das Recht der Jugend, sich aufzulehnen. Das gibt sich mit der Zeit. Spätestens dann, wenn man selbst für den Lebensunterhalt sorgen muss und Mami und Papi nicht mehr alles bezahlen.

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