Durch die Mojave Desert auf der Route 66

Zuletzt aktualisiert am 28.02.2021 von Kieler Jung

Auf dem Weg vom Joshua Tree Nationalpark zum Grand Canyon mussten wir wieder etliche Meilen fahren. Dabei ging es durch die Mojave Desert auf der Route 66. Jedenfalls ein kleines Stück lang von dem, was von dem legendären Highway noch übrig ist. Wir hatten keine Zeit, um inne zu halten, weil wir Strecke machen mussten. Und trotzdem prägten sich die Farben Arizonas in unser Bewusstsein. Auch wenn die Highway schnurgerade vor einem direkt in den Horizont mündet und man das Gefühl bekommt, sich eigentlich nicht wesentlich vorwärts zu bewegen, von Monotonie oder Langeweile kann nicht die Rede sein. Jedenfalls nicht als Touristen, die zum ersten mal durch die Mojave Desert fahren.

Die Mutter aller Straßen

Den Hype um die Route 66 können wir nicht so richtig nachvollziehen. Natürlich hat sie für die USA eine historische Bedeutung, war sie doch einst eine der ersten durchgehend befestigte Straßenverbindung zur Westküste. Und vielleicht war es die Sehnsucht vieler Amerikaner, sich im Westen der USA den amerikanischen Traum zu erfüllen, die die Romantisierung der Route 66 erklären. Später war es dann nicht der amerikanische Traum, sondern eher das Trauma einer durch den Vietnamkrieg desillusionierten Generation von jungen Leuten, die sich der Hippie-Bewegung an der kalifornischen Küste anschlossen. Wir waren gerade in der Gegend, also warum nicht ein Stück alsphaltierte Legende erleben?

Durch die Mojave Desert auf der Route 66
Durch die Mojave Desert auf der Route 66

Zwischen Kingman und Seligman verläuft die Route 66 parallel zur Interstate 40. Das ist, wenn man von Westen auf dem Weg zum Grand Canyon ist, eine gute Gelegenheit, diesen Weg zum Ziel zu erklären, sprich der Route 66 die Ehre zu erweisen. Von jedem zweiten Gebäude und von jedem Billboard am Straßenrand schreien einem die zwei Sechsen ins Gesicht und lassen keinen Zweifel daran aufkommen, auf welcher Straße man fährt. Auf der Mutter aller Straßen. Doch der Film läuft schon lange nicht mehr. Wehmut macht sich breit und die Sehnsucht nach einer Zeit, wo alles besser war. Oder zu sein schien.

Kingman. Seligman. Williams. In Williams scheint man zukunftsorientierter zu sein und nennt sich nun das Tor zum Grand Canyon. Überhaupt machte dieses Städtchen mit seinen zweieinhalb Tausend Einwohnern einen wesentlich lebhafteren Eindruck als die beiden vorgenannten. Natürlich ist auch hier der Tourismus längst zur lebenswichtigen Schlagader geworden. Aber es drängt sich nicht so auf. Leider hatten wir auch hier keine Zeit zum verweilen. Dann ist der Spuk der Vergangenheit vorbei und die Wüste hat uns wieder.

Jetzt ist es nicht mehr weit zum Grand Canyon. Flagstaff lassen wir liegen und nehmen direkt hinter Williams die 64 nach Tusayan. Arizona zeigt uns, was es noch an Farben zu bieten hat. Zu dem Rot der Felsen, dem Beige der Wüste und dem Blau des Himmels gesellt sich nun das Grün der Bäume. Das tut den Augen und der Seele gut nach den vielen Meilen durch die staubige Einöde. In Tusayan angekommen, wollen wir als Touristen einmal die einheimische Küche probieren und gönnen uns ein paar Hamburger im Mac Donalds von Tusayan.

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Endlich am Grand Canyon

Der letzte Montag im Mai. Memorial Day. Das wussten wir vorher, trotzdem wollten wir keinen Tag ungenutzt irgendwo herum stehen. Und nun fahren wir im überfüllten Grand Canyon Village umher und finden keinen Parkplatz. Von einem der begehrten Stellplätze auf einem Campground ganz zu schweigen. Die muss man Monate im Voraus buchen. Wir haben noch keinen Platz für die Nacht und in den National Parks der USA darf man außerhalb der ausgewiesenen Campingplätze nicht übernachten. Wenigstens konnten wir uns einen ersten Eindruck verschaffen und beschließen, den Park zu verlassen und morgen in aller Frühe wieder zu kommen.

Ein Boondockingplatz vor den Toren des Grand Canyon

Wenn man den Grand Canyon NP Richtung Tusayan wieder verlässt, biegt ein paar Meilen vor Tusayan eine Strasse nach rechts ab, das ist die Fire Road 800. Dort findet man einen Boondocking Platz und man kann legal mit dem Zelt oder Wohnmobil übernachten. Der Eingang zum Nationalpark ist nur ein paar Minuten entfernt. Der Platz ist wirklich genial und wir haben ihn für zwei Nächte genutzt. In der ersten Nacht hörten wir ein ganz ungewohntes Geräusch: Die Heizung des Wohnmobils ist angesprungen, weil es draußen nur noch 4 Grad Celsius waren. Und das Ende Mai. Am nächsten Morgen konnten wir schon um vier Uhr früh die Scheinwerfer der ersten Autos sehen, die sich in Richtung des Grand Canyons bewegten. Es waren die Sonnenaufgangs-Touristen, die kein Foto verpassen wollten. Wir mussten aufbrechen. Aber das ist schon die nächste Geschichte.

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