Dacia Dokker – Produktion eingestellt

Zuletzt aktualisiert am 07.11.2021 von Kieler Jung

Noch im Juli 2019 frohlockte die Auto – Bild, einen Dokker Erlkönig in Spanien erwischt zu haben. Man wusste auch bereits, dass er wieder auf der (veralteten) B0 – Plattform basiert. Ein Jahr später behauptete der Renault Blog, Wissen über bekannte Tatsachen des zu erwartenden Dokker II zu haben.

Die Welt wird wohl nie erfahren, ob Dacia tatsächlich an einem Facelift gebastelt hat oder ob der gesichtete Erlkönig in Wirklichkeit ein Renault Express war. Denn der ist neu. Als Handwerkerfahrzeug wurde er preislich unter dem Kangoo angesiedelt. Der Dacia Dokker ist heimlich still und leise vom Markt verschwunden.

Es werden nur noch Lagerbestände verkauft, eine Konfiguration wie bei den anderen Modellen ist nicht mehr möglich. Stattdessen wird man an Händler verwiesen. Über die Gründe der Einstellung des beliebten Dacia Dokker darf nun fleißig spekuliert werden.


Konkurrenz zum Kangoo zu groß geworden?

Fakt ist, dass die Verkaufszahlen seit Markteinführung in 2012 bis 2019 stetig anstiegen, um im Coronajahr 2020 leicht abzuflachen. Aber das war in der gesamten Branche zu beobachten. Mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit hätten die Verkaufszahlen mit einem Facelift noch einmal angezogen.

Aber wie oben erwähnt, ist die Plattform (eigentlich M0, aus der Plattform B0 entwickelt) der Renault – Nissan – Allianz nicht mehr auf dem neuesten Stand. Es war ja von Anfang an die Strategie, die „abgetragene“ Technik aus der Renault – Linie in den Dacia Modellen weiter leben zu lassen, um noch die letzten Reste an Amortisation herauszuquetschen. Und die Strategie ging auf. Dacia Automobile sind aus dem Straßenbild nicht mehr wegzudenken.

Nun hat man die erfolgreichsten Modelle Duster und Sandero auf eine neue Plattform gestellt, CMF B LS. Der Lodgy und der Logan MCV sind ebenfalls verschwunden, man munkelt von einem Cross-Over Siebensitzer, der die beiden Modelle vereinen soll.

Der Dokker aber ist Geschichte. Viele Hunde sind des Hasen Tod. Das Modell 2020 war das letzte. Glücklich, wer noch einen ergattern konnte.

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Der Dacia Dokker ist tot. Es lebe der Renault Express

Aber halt. Der neue Renault Express sieht fast genau so aus wie die Express – Variante des Dacia Dokker. Und genau das ist es auch. Der „alte“ Dacia Dokker im Renault Kostüm. Es ist aber immer noch kein Renault Kangoo. Es gibt ihn auch nicht als 5-Sitzer mit Rundumverglasung. Sondern nur als N1, also zum Gütertransport gedacht. Da kann man auch einen Camper draus bauen. Wenn man will.

Der Einstiegspreis für den Renault Express dürfte auch etwa bei 15.000 Euro liegen. Für einen Zweisitzer mit Trennwand und Ladefläche. Für das gleiche Geld konnte man einen voll ausgestatteten Dokker kaufen, mit allem Drum und dran. Als Familienkutsche mit 5 Sitzen und jede Menge Laderaum.

Übrigens war der Dokker nie mit dem Kangoo verwandt oder verschwägert. Der Kangoo wurde seit jeher auf der C-Plattform gebaut, der Dokker auf der eigens aus der B-Plattform entwickelten M0.

Ist Corona schuld?

Corona hat vielen Autobauern zu schaffen gemacht. Im März 2020 hatte Dacia alle Produktionsstätten geschlossen und die 18.000 Mitarbeiter hatten eine Zwangspause. Nach gut informierten Quellen wurden aber im März 2021 noch Einheiten des Dacia Dokker produziert. Vermutlich werden/müssen noch Bestellungen abgearbeitet werden.

Corona hat vielleicht mit dazu beigetragen, den Dokker zu beerdigen. Aber kriegsentscheidend war Corona vermutlich nicht.

Götterdämmerung am Autohimmel?

Kriegsentscheidend dürfte der offensichtliche politische Wille sein, den Verbrennungsmotoren den Garaus zu machen. Dazu wurde der Flottenverbrauch erfunden. Denn anhand des Verbrauchs der hergestellten und verkauften Neuwagen errechnet man den (theoretischen) CO2 – Ausstoß. Und der ist limitiert. Liegen die Hersteller darüber, müssen sie Strafen zahlen.

Nachdem man die technischen Möglichkeiten von Diesel- und Benzinmotoren weitgehend ausgeschöpft hat und die Herstellung der Autos mit jeder Euronorm 1000 bis 1500 Euro teurer wurden, ist man nun am Ende der Fahnenstange angelangt. Vor diesem Hintergrund muss man die Tricksereien der Hersteller sehen, denn die Politik hat sie mit dem Rücken an die Wand gedrängt.

Für ein Fahrzeug wie den Dokker mit überschaubaren Absatzzahlen geht die Rechnung vermutlich nicht mehr auf. Denn der Dokker wurde mehrheitlich als PKW verkauft. Der Renault Express dagegen ist ein leichtes Nutzfahrzeug. Für die gelten statt 95gCO2/km nämlich147gCO2/km (Stand 2020). Da ist für einen Diesel noch ein wenig Luft nach oben und es belastet die Flottenbilanz nicht.

Welche Strategie verfolgt Renault?

Leider gibt es weder ein Interview noch eine Pressemitteilung über die Absichten von Renault/Dacia. Fakt ist, dass die Marke Dacia ohnehin nur in Europa als Dacia vermarktet wird. Im Rest der Welt werden Automobile von Dacia als Renault verkauft, etwa in Südamerika oder Indien.

Vielleicht ist das Verschwinden des Dacia Dokkers ein erstes Anzeichen, die Marke Dacia wieder einzustampfen. Beliebt war sie bei den Renaulthändlern wegen der geringen Gewinnmarge ohnehin nicht. Dagegen spricht, dass man mit den Dacia Spring den ersten Stromer im Programm hat, der das Dacia Image der niedrigen Preise fortführen soll.

Wie auch immer, dass der Dacia Dokker Express jetzt Renault Express heißt, ist für den neutralen Beobachter genauso verständlich, warum aus Raider Twix wurde. Aus Gründen der globalen Vereinheitlichung, hieß es bei den Schokoriegeln. Aber der Dokker ohne „Express“ bleibt verschwunden.

Fazit

Auf dieser Seite dreht sich fast alles um den Ausbau eines Dokkers zum Minicamper. Ob der Renault Express sich dafür genau so eignet wie der Dacia Dokker, hängt von den Anforderungen ab. Es gibt hinten keine Fenster, nur eine Schiebetür auf der Beifahrerseite und kein Raumgewinn.

Die Flexibilität eines Dokkers als Familienauto, welches man bei Bedarf auch mit einer dieser Campingboxen mal eben schnell zum Miniwohnmobil ausbauen konnte, fehlt natürlich auch. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die sich speziell für die Expressvariante entschieden und ihn dann ausgebaut haben.

Für diejenigen, die mit dem Dokker geliebäugelt haben, um ihn auszubauen, gilt es, jetzt noch zuschlagen, wenn sie ein Neufahrzeug in Erwägung gezogen haben. Es wird zukünftig nur noch als Gebrauchtwagen zu haben sein. Was schade ist.

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4 Gedanken zu „Dacia Dokker – Produktion eingestellt“

  1. Hallo aus Hamburg,
    wie du war ich zunächst auch vom Dokker überzeug, als Grundlage für einen Campingausbau. Als wir letztes Jahr einen bestellen wollten, konnte man uns bei der Niederlassung nicht sagen wie lange die Lieferzeit sein wird. Eine Probefahrt war am Ende nur über Dacia zu organisieren und fand im Nov. 20 in Neumünster statt. Aber wie schon mal geschrieben, ist es nach der nächsten Probefahrt dann doch der Peugeot Rifter geworden. Vor dem Hintergrund das Dacia den Dokker, der sich doch so gut verkaufte, eingestellt hat, war das wohl auch zufällig die richtige Entscheidung. Aber ich denke mal, das hat wohl am ehesten mit Konzernpolitik zu tun. Immerhin war noch im Dez.20 angekündigt, das der neue Kangoo und Dokker wohl ziemlich gleich ausfallen werden. Bestimmt geht es hier um Produktionskosten und Konkurrenz im eigenen Konzern. Was nun deine Überlegungen zum Thema Spritpreise anbelangt habe ich in etwa die gleichen Befürchtungen wie du. Die Spritpreise sind eh schon unverschämt hoch, wenn sie auch noch eine höhere CO2 Abgabe draufschlagen wird das den Campingboom ganz schnell relativieren. Dann kann man den Preisverfall in Form eines Preissturzes bei den gebrauchten Wohnmobilen und Wohnwagen jetzt schon voraussagen. Ein Wohnmobil das 10L auf 100Km verbraucht, wird ziemlich teuer, wenn der Diesel 2,50-3,00EUR kostet. Aber was solls, wir haben nun mal die Minicamper angeschafft und ausgebaut, unser ist nun auch fertig und wie du schon so richtig in deinem Video gesagt hast, fahren bis er zerfällt. Oder, ich bin 2 Jahre älter als du, wir zerfallen oder nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen können.
    In diesem Sinne, Grüße aus Hamburg, die Elbnormaden

    1. Hallo aus Kiel,

      meine Frau und ich werden mit dem Dokker mehrere Europatouren fahren, komme, was da wolle. Für nichts anderes haben wir den Dokker gekauft und ausgebaut. Ewig wird das Coronagedöns ja nicht anhalten. Leider kann ich meinen Jahresurlaub nicht beliebig hin- und herschieben, also brauchen wir bis August noch die zwei Impfungen.

      Was die Konzernpolitik von Renault/Dacia betrifft, würde ich meinen, dass es die Dacia-Modelle waren, die ihnen den Hintern gerettet hat. Leider ist der Macher dieses Wunders (Ghosn) wegen Untreue-Vorwürfen auf der Flucht und die Nachfolger hampeln in meinen Augen etwas planlos herum. Aber ist mir relativ egal, ich habe meinen Dokker und bin damit zufrieden. Ich habe dafür genau 14.185 Euro hingeblättert und bis jetzt noch nichts zum Meckern gefunden 🙂

      Liebe Grüße aus Kiel, Ingo

  2. Hallo Ingo,
    die Sache mit dem Urlaub verschieben geht leider nicht. Wir hatten gerade 14 Tage Urlaub, der nicht verschoben werden konnte, außer zwei Tagestouren an die Nord- und Ostsee war aber aufgrund der Temperaturen und des ewigen Regens nicht drin. Wir konnten bisher noch nicht in unserem ausgebauten Rifter übernachten. Allerdings haben wir es etwas einfacher, wir hatten beide bereits Corona und sind beide bereits geimpft. Nun heißt es erstmal wieder 3 Monate arbeiten und dann im September geht es hoffnungsweise runter an den Gardasee, Platz, Maut und Vignette für Österreich sind schon gebucht. Immer in der Hoffnung, das Corona nicht wieder unkontrolliert ausbricht. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
    Liebe Grüße aus Hamburg
    Jörg

    1. Hallo Jörg,
      wir hätten uns auch gewünscht, den Ausbau einmal testen zu können und so etwas wie eine Routine zu entwickeln, bevor es auf große Fahrt geht. Die langen Wochenenden an Ostern und Himmelfahrt waren kalt und verregnet, für Pfingsten war das Gleiche vorhergesagt, also haben wir es erst gar nicht versucht. Im Prinzip fahren wir los, ohne zu wissen, ob das mit dem Dokker alles so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben.
      Ich wünsche Euch jedenfalls eine tolle Zeit am Gardasee und das alles gut geht.

      Liebe Grüße aus Kiel, Ingo

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